„Deutschland, Du Opfer“ – Psychoanalytisch-sozialpsychologische Perspektiven auf die Erfindung einer neuen deutschen Identität im aktuellen Vergangenheitsdiskurs

„Deutschland, Du Opfer“
Psychoanalytisch-sozialpsychologische Perspektiven auf die Erfindung
einer neuen deutschen Identität im aktuellen Vergangenheitsdiskurs

Vortrag und Diskussion mit Dr. Jan Lohl (Sigmund-Freud-Institut,
Frankfurt)

NEUER TERMIN:
Mittwoch, 19. März. 19.00 Uhr.
Holbornsches Haus, Rote Str. 34, Göttingen

Seit der deutschen Einheit gab es in der Bundesrepublik einen gesellschaftlichen Prozess, der als ›Normalisierung der deutschen Nation‹ beschrieben werden kann und in den Jahren 2006 bis 2010 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Egal ob WM, EM, ESC, egal ob Sieg oder Niederlage: Schwarz-Rot-Gold all überall und viel nationale Freude. Dieses ›nationale Coming-Out‹ lässt sich nicht jenseits des offiziellen Vergangenheitsdiskurses nach der deutschen Einheit verstehen. In diesem Diskurs werden nationale Selbstbilder gezeichnet, die Deutschland als eine Nation beschreiben, der eine vorbildliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gelungen sei. Als »Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung« habe das deutsche Volk den Nationalsozialismus aufgearbeitet, Täterschaft und Schuld anerkannt und sich so von Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus befreit. So entstehen nationale Selbstbilder, die als »unverkrampft« und »unverdächtig« gelten und daher von vielen Einzelnen emotional besetzt werden.

Der Vortrag setzt sich kritisch mit diesem Vergangenheitsdiskurs und der Konstitution nationaler Selbstbilder auseinander. Dies geschieht exemplarisch anhand des sogenannten neuen deutschen Opferdiskurses, in dem oftmals die nationalsozialistischen Opfer der Deutschen hinter die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges zurück treten.

Diskutiert werden soll insbesondere das Verhältnis von öffentlichem und privatem Umgang mit der deutschen Geschichte: Was bewirkt der Vergangenheitsdiskurs und die offizielle Anerkennung von Täterschaft und Schuld eigentlich in den vielen Einzelnen? An welche Konflikte, Emotionen und psychische Dynamiken einerseits und welche Familiengeschichten und Gefühlserbschaften andererseits dockt er an? Und woher kommt eigentlich die fast schon verzweifelte Sehnsucht, einem nationalen Kollektiv anzugehören und auf dieses stolz sein zu können?

Veranstaltet von der OLAfA (Offene Linke – Alles für Alle) im Rahmen
der Reihe „Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
- 27. Januar

Please note! Die Veranstaltung wird NICHT wie ursprünglich
angekündigt am 28.02. stattfinden.