Deutsche Hypotheken gegenüber Griechenland. Die aktuelle Griechenland-Politik aus historischer Sicht.

Nach fünf schweren Krisenjahren befinden sich die griechische Wirtschaft wie Gesellschaft am Rand des Zusammenbruchs. Die Erwerbslosenquote ist auf 30 Prozent gestiegen – bei den Jugendlichen sogar auf 60 Prozent. Die Einkommen der ArbeiterInnenhaushalte haben sich halbiert. Über ein Drittel der Gesellschaft lebt in absoluter Armut.

Gleichzeitig finden in Deutschland hitzige Debatten über einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone statt. Immer wieder wird sich in der deutschen Medienwelt über die vermeintlich faulen und korrupten Griechen beschwert, die Europa und vor allem Deutschland auf der Tasche lägen. Deutschlands nationalsozialistische Vergangenheit und ihre historische Verbindung zu Griechenland werden im derzeitigen Krisendiskurs ausgeklammert. Griechische Entschädigungsforderungen werden als unverschämt wahrgenommen. Eine ernsthafte Debatte über deren Berechtigung hat in Deutschland keinen Platz.
Dabei war die deutsche Wehrmacht 1941 in Griechenland eingefallen und verließ Griechenland erst 1944, nicht ohne das Land ausgebrannt zu hinterlassen, systematisch die griechische Wirtschaft ruiniert zu haben, und für den Tod von 520.000 Menschen verantwortlich zu sein. Nennenswerte Reparationen hat es nie gegeben.

Karl-Heinz Roth spricht über die aktuelle Griechenland-Krise aus historischer Sicht und benennt deutsche Hypotheken.

Eine Veranstaltung der OLAfA mit freundlicher Unterstützung von ver.di Göttingen.
05. Dezember 2012, 20.00 Uhr, Theaterkeller (Geismar Landstr. 19, Göttingen)