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Ein weiterer Nachruf Was nachgerufen werden muss!

Ein weiterer Nachruf
Was nachgerufen werden muss!
SS-Günni hält‘s Maul – jetzt wirklich (ins Grass gebissen)

Nachrufe über Günter Grass gibt es inzwischen wie Sand in der Danziger Bucht, dabei ist er noch nicht mal ganz kalt.
Das schwierigste an einem Nachruf auf Günter Grass ist, dass man über diesen staublangweiligen Schwafler eigentlich nichts sagen kann.
Doch eines lässt sich sagen, was in allen (!) anderen Nachrufen nicht gesagt werden konnte.
Es geht um eins, wir alles wissen was: Um Günters grassen Umgang mit seiner NS- Vergangenheit.
Vorbildlich! Er brauchte nur 60 Jahre um einzugestehen, dass er die Kriegszeit nicht nur im allgemeine
deutschen Schützenverein (Wehrmacht) verbrachte.
Sondern er zeichnete sich aus mit nur 17 jungen Lenzen dem inneren Zirkel der deutschen Volksgemeinschaft, ihrer Elite und Speerspitze anzugehören.
Mit hervorragenden Skills im Laden eines Flakgeschützes, qualifizierte sich der junge Grass auch größere Oschis nachzuladen.
Grass dazu „Ich habe nie geschossen …. nur nachgeladen.“
Doch Grass wahre Waffe waren nicht Panzerhaubitzen oder Flakgeschützen, sondern die Kunst.
Geladen bis zur letzten Patrone … äh, bis zur letzten Tinte.

Ein Sprung in die Gegenwart.
Da malte er ein G und eine Sieben auf eine Serviette und daraus wurde das „identitätsstiftende Monument“ der Göttinger Intelligenzija, ein Kunstwerk: genial. Das darauf auch grünschnäbelige Siebtklässler kommen könnten, glaubt da keiner mehr.
Was nur wenige wissen: Grass modifizierte es nachträglich in einer Nacht- und Nebelaktion um es in seine letzte Performance-Kampagne „was ich noch machen, sagen, reflektieren muss“ zu integrieren.
Wie visionär, als hätte er sein baldiges Ende vorausgeahnt. Nur den wahrlich Großen gelingt das.
Die Inschrift „SS-Günni halt‘s Maul“ zeigt einmal mehr, wie avantgardistisch der verkannte Nazi seine Vergangenheit reflektiert und uns dadurch einmal mehr den Spiegel vor Augen hält.
Doch nicht nur in der Öffentlichkeit sondern auch im Privaten gibt er sich bescheiden und gedenkt an seiner Haustür tagtäglich der unliebsamen Vergangenheit.
Weitreichendes hatte Grass außerdem zum Verhältnis unserer gestörten Nationalidentität und Auschwitz zu sagen:
Nachrufe über Günter Grass gibt es inzwischen wie Sand in der Danziger Bucht, dabei ist er noch nicht mal ganz kalt.
Das schwierigste an einem Nachruf auf Günter Grass ist, dass man über diesen staublangweiligen Schwafler eigentlich nichts sagen kann.
Doch eines lässt sich sagen, was in allen (!) anderen Nachrufen nicht gesagt werden konnte.
Es geht um eins, wir alles wissen was: Um Günters grassen Umgang mit seiner NS- Vergangenheit.
Vorbildlich! Er brauchte nur 60 Jahre um einzugestehen, dass er die Kriegszeit nicht nur im allgemeine
deutschen Schützenverein (Wehrmacht) verbrachte.
Sondern er zeichnete sich aus mit nur 17 jungen Lenzen dem inneren Zirkel der deutschen Volksgemeinschaft, ihrer Elite und Speerspitze anzugehören.
Mit hervorragenden Skills im Laden eines Flakgeschützes, qualifizierte sich der junge Grass auch größere Oschis nachzuladen.
Grass dazu „Ich habe nie geschossen …. nur nachgeladen.“
Doch Grass wahre Waffe waren nicht Panzerhaubitzen oder Flakgeschützen, sondern die Kunst. Geladen bis zur letzten Patrone … äh, bis zur letzten Tinte.
»Wir kommen an Auschwitz nicht vorbei. Wir sollten … einen solchen Gewaltakt auch nicht versuchen, weil Auschwitz zu uns gehört, bleibendes Brandmal unserer Geschichte ist und – als Gewinn! – eine Einsicht möglich gemacht hat, die heißen könnte: Jetzt endlich kennen wir uns.«
Ja, wir sollten uns endlich eingestehen, das wir – nicht die Goethes und Schillers oder gar die moralischen Mahner der Weltgemeinschaft sind –
sondern die antisemitische Mörderbande waren, für die uns die ganze Welt schon immer gehalten hat.
Deshalb wollen wir uns hiermit anlässlich der Eröffnung des Günter Grass Archivs bei einem der unverständlicherweise wichtigsten Literaten unseres Landes bedanken und unsere Hüte vor ihm ziehen. Danke Günni, das letze Wort überlassen wir dir:
„Die Leute, die heute den Ton angeben, werden aus anderen Bereichen geholt.“

Ich und mein lyrisches Ich. Und ich.
Geschrieben auf einem Zettel.
Wann geht’s los? Ah, jetzt!

Prolog – Aufwärmübungen
Was reimt sich auf meinen Namen?

Piranhas
Tobias
Rückfahrkameras
Einscheibensicherheitsglas
Ischias
Wehrmachtsspaß
Adidas
Ananas

1. Akt – Was gesagt werden muss

Versmaß war mir einerlei
Reime fand auch keinerlei
Klagen gab es mancherlei
Bei meinem ach so vielerlei
Arg bestauntem Thesenbrei
Lang und großer Meckerei
Doch biegt sich diese Heuchelei
Die kollektive Schweinerei
Getarnt als Opferduselei
Entlarvt die Hinterlisterei
Ist nun mehr eine Grübelei
Über diese Gaunerei
Umgeformt nun in Geschrei
Dank meiner dummen Prahlerei
Eieieiei

2. Akt – Wie es gemacht werden muss

Habe ich eigentlich schon betont,
dass sich das Schweigen durchaus lohnt?
Wenn du nur lang die Backen kneifst
Und ewig keinen Ton raus pfeifst
Sondern erst in letzter Stund`
Vor der Zwiebel deinen Mund
Auftust, um doch noch zu singen,
wird´s laut in der Kasse klingeln!

3. Akt – Worüber noch sinniert werden muss

Wär ich als Bub daheim geblieben
und hätte mich nicht so rumgetrieben,
wär weiter beim Altar gediehen,
dann wär´s nachladen ausgeblieben.
Zur Lyrik niemals angetrieben,
wär euch mein Schund erspart geblieben.
Nun bin ich alt, der Leib wird kalt,
herrje ich glaub, es endet bald.
Der Führer mir schon nachts erscheint:
„Um dich, Kamerad, auch niemand weint.“

Epilog – Kein gutes Ende, aber ein Ende

Schwächelnd und mit Opas Flinte
Mein Los war niemals die Vernunft
Ich oft über ein Ende sinnte
In alt bekannter Unterkunft
Doch wenn ich mir die Kugel gebe
Keinen Moment lang länger lebe
Nicht mehr so viel Unfug rede
Wen kümmert dann noch dass…

„Hey, Moment mal! Geben sie mir sofort den Stift zurück, sie Flegel sie! Ich hab immerhin-“
„Ja, wir wissen sie haben damals `sonen Preis gewonnen.“
„Das ist ja unerhört!“
„Herr Graus-„
„Grass!“
„Herr Grass, alle anderen Patienten sind auch schon im Bett. Jetzt aber zackig hier! Sonst gibt’s morgen keinen Pudding.“
„Hinterlistige Bande, immer diese heuchlerischen Widergutmachungen. Hat das denn kein Ende! Dreckspack, widerliches Juden-“
„Schwester Paula, einmal hier sedieren bitte! Schnell!“
Schwups!
„Aale, alles voller Aale… und … dieser … ekelhafte Pferdekopf….“

Ende

Ein weiterer Nachruf Was nachgerufen werden muss!

„Meine Vergangenheit ist schrecklich und sie bringt Dir nichts.“

© Guy Gilad
© Guy Gilad

„Meine Vergangenheit ist schrecklich und sie bringt Dir nichts.“

Dienstag, 27. Januar 2015, 19.30 Uhr
Paulinerkirche, Papendiek 14, Göttingen

Lesung und Gespräch mit der Autorin Lizzie Doron (Tel Aviv)
Eine Veranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz

„Du wurdest für die Zukunft geboren, Du musst Neues lernen. Meine Vergangenheit ist schrecklich und sie bringt Dir nichts. Sie hat nichts mit Dir zu tun.“ Mit diesen Worten ihrer Mutter wächst Lizzie Doron, geboren 1953, in einem Stadtteil von Tel Aviv auf, wo sich Shoah-Überlebende aus allen Teilen Europas angesiedelt haben. Ihre Mutter Helena kommt 1949 als einzige Überlebende ihrer Familie nach Israel: „Sie hatte beschlossen, mir nichts zu erzählen, und dabei blieb es.“ Erst viel später, als die Mutter nicht mehr lebt und Lizzie Dorons eigene Tochter nach ihrer Familiengeschichte fragt, wird ihr bewusst, dass sie nichts zu erzählen hat. Aus eigenen Erinnerungsfetzen an Kindheitserlebnisse und Erzählungen anderer verfasst sie zunächst Kurzgeschichten, später Romane. Darin gibt Lizzie Doron jenen eine Stimme, die sie selbst nicht erheben. Sie schreibt über Menschen, die die Shoah überlebten und nun zu leben versuchen. Gleichzeitig spricht sie auch für jene, die als zweite Generation das Schweigen ihrer Eltern nicht verstehen.

Lizzie Doron wird an diesem Abend aus ihren Büchern lesen. Wir sprechen mit ihr über die Geschichte der Überlebenden, deren Schweigen und die Tradierung ihrer Traumata. Wir sprechen über die Erinnerung an die Shoah, wenn die letzten Überlebenden gestorben sein werden.

Veranstaltet vom Bündnis „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus — 27. Januar“ und der OLAfA mit freundlicher Unterstützung des Lehrstuhls für qualitative Methoden, Prof. Gabriele Rosenthal (Universität Göttingen) und des Fachschaftsrat Philosophie.

„und brecht mit Eurem Vater“ – Lesung und Gespräch mit Niklas Frank

„und brecht mit Eurem Vater“ – Lesung und Gespräch mit Niklas Frank

Donnerstag, 4. Dezember 2014, 19.30 Uhr
Kino Lumière, Geismar Landstr. 19, Göttingen

„und brecht mit Eurem Vater“! Diesen Imperativ Jean Amérys an die Kinder der Nazitäter hat wohl kaum jemand in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte so radikal eingelöst wie Niklas Frank. Niklas Frank, geboren 1939, ist der Sohn von Hans Frank, zwischen 1939 und 1945 der Generalgouverneur des besetzten Polen. Hans Frank, „der Schlächter von Polen“, wurde 1946 im Nürnberger Prozess zum Tode verurteilt und hingerichtet. 1987 veröffentlicht Niklas Frank mit „Der Vater. Eine Abrechnung“ eine minutiös recherchierte, verstörende und schonungslose Auseinandersetzung mit dem Vater. Noch heute trägt Niklas Frank ein Bild des toten Vaters immer bei sich: um jeden Tag sicherzugehen, dass er wirklich tot ist. 2005 folgt mit „Meine deutsche Mutter“ das Buch über die Frau, die den kleinen Niklas mit ins Ghetto nahm, wenn sie von Jüdinnen und Juden die letzten Wertgegenstände erpresste. 2013 vollendet Niklas Frank die Trilogie über seine Familie mit Bruder Norman. Niklas Frank sagt im Interview mit der taz: „Ich habe unsere Familie vor der Öffentlichkeit nackt ausgezogen. Das war absolut nötig, denn wir haben Millionen andere Familien sich ausziehen lassen, bevor wir sie vergast haben.

Niklas Frank liest an diesem Abend aus allen drei Büchern. Wir sprechen mit ihm über die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte, die vermeintliche Vergangenheitsbewältigung der deutschen Nachkriegsgesellschaft und die Verantwortung der Kinder- und Enkelgeneration.

Veranstaltet von der OLAfA (Offene Linke — Alles für Alle) in Zusammenarbeit mit dem Theaterkeller Göttingen im Rahmen des
Göttinger „Bündnis‘ zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“.

Ausstellungseröffnung „The Holocaust — Keeping The Memory Alive“

Ausstellungseröffnung „The Holocaust — Keeping The Memory Alive“
Freitag, 14. November, 19 Uhr
Café Kabale, Geismar Landstr. 19, Göttingen

Die Ausstellung „Keeping the Memory Alive“ versucht auf 16 Postern dem Leid der Überlebenden und der Komplexität und Vielschichtigkeit der Shoah auf eine bildliche und symbolische Art Ausdruck zu verleihen. Poster, die sonst als Reklame und Ankündigung Teil der Alltagskultur sind, werden in dieser Ausstellung zum Medium der Erinnerung an und Reflexion über die Shoah. In diesem Sinne wollen wir die Ausstellung bewusst in einem alltäglichen Rahmen zeigen, an einem Ort, an dem eine Abendverabredung und die Erinnerung an die Shoah kein Widerspruch bedeuten muss.

Die Ausstellung wurde von französischen, israelischen und tschechischen Designstudierenden unter Federführung der Gedenkstätte Yad Vashem gestaltet und 2012 im Rahmen des Holocaustgedenktages am 27. Januar international ausgestellt. Sie kann nun mit freundlicher Genehmigung der International School for Holocaust Studies, Yad Vashem erstmals in Göttingen gezeigt werden.

Die Ausstellung kann bis zum 30. Januar 2015 während der Öffnungszeiten des Café Kabale besichtigt werden.

Eine Veranstaltung Rahmen des Göttinger „Bündnis‘ zum Gedenken Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – 27. Januar

„Gegen jeden Antisemitismus! … in Göttingen, Deutschland, Europa und anderswo …“

Sonnabend, 30. August, 15 Uhr
Altes Rathaus/ Gänseliesel, Göttingen

Am 08. Juli 2014 begann die israelische Luftwaffe als Reaktion auf den zunehmenden Raketenhagel aus dem Gazastreifen mit dem Beschuss von Orten, an denen sie Hamas-Kämpfer vermutete. Kurz darauf versammelten sich weltweit Menschen, um gegen den Krieg zu demonstrieren. Doch zumeist geschah dies sehr einseitig: „Free Palestine“ und „Kindermörder Israel“ waren die meistgehörten Parolen, durch „Allahu Akbar“ erhielten die Demos eine deutlich religiöse, teilweise mit Hamas- und gar Isis-Fahnen auch islamistische Ausrichtung.

Doch dabei blieb es nicht: In Göttingen wurden Demonstrierende, die Israel-Fahnen trugen, aus einer Free-Gaza-Demo heraus angegriffen, in Frankfurt erhielt ein Rabbiner Morddrohungen, in Berlin wurde ein jüdisches Paar bedrängt, in Wuppertal gab es einen versuchten Brandanschlag auf eine Synagoge, in Sarcelles, einem Vorort von Paris, wurden koschere Geschäfte angezündet.

Gauck und Merkel zeigten sich betroffen. Doch ihre Rede vom „importierten Antisemitismus“ schürt rassistische Ressentiments und verleugnet, dass Antisemitismus in Deutschland Tradition hat. Antisemitismus zieht sich durch alle Milieus und Bildungsschichten. Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem: 51 Prozent der Deutschen sagen, die Israelis machten das Gleiche wie die Nazis (laut Bielefelder Institut für Konflikt- und Gewaltforschung).

Angesichts der vielen palästinensischen Toten ist es verständlich, auf die Straße zu gehen, um Wut und Trauer Ausdruck zu verschaffen. Doch müssen die Friedensbewegten sich Kritik daran gefallen lassen, wie und mit wem sie da auf die Straße gehen – das zeigen die Parolen und Ausschreitungen der letzten Wochen. Es gibt kein Tabu, die israelische Regierung zu kritisieren. Doch schaffen es dabei nur die wenigsten, keinen Antisemitismus zu äußern. Gerade angesichts des unablässigen Raketenhagels auf Israel und der Toten auch auf israelischer Seite, ist es notwendig, eine unversöhnliche Kritik des Antisemitismus der Hamas und der selbsternannten „Israelkritiker_innen“ zu formulieren. Das bedeutet für uns, sich all jenen entgegen zu stellen, die das Existenzrecht Israels direkt oder indirekt in Frage stellen.

Es kann jedoch nicht darum gehen, durch die Rede von den „schlecht integrierten Muslimen“ den Blick vom allgegenwärtigen deutschen Antisemitismus abzulenken. Rassistische Deutungen lehnen wir entschieden ab.

Auch wenn es in dieser komplexen Lage schwer fällt: Es gilt, sich weder der Ohnmacht hinzugeben noch in identitären Positionen zu verharren, sondern sich trotz aller Anstrengung um einen differenzierten Blick zu bemühen.

Unsere Kundgebung ist der Versuch einer kritischen Praxis gegen Antisemitismus – für den Zweifel und gegen das Bescheidwissen! Grundproblem der Entwicklungen der letzten Wochen ist: Diese Gesellschaft (und oft auch ihre Kritiker_innen) hat keinen Begriff von Antisemitismus. Es ist nicht jede blöde Äußerung antisemitisch, aber es ist viel mehr antisemitisch als gedacht: die Gleichsetzung von Israelis und Juden, die Paranoia um die jüdisch-israelische Medienverschwörung, die Diabolisierung und die NS-Vergleiche in Bezug auf das Handeln der israelischen Regierung, die Annahme niederträchtiger Intentionen Netanjahus, das palästinensische Volk zerstören zu wollen….

Antisemitismus ist nicht irgendwie schlecht formulierte „Israel-Kritik“, sondern eine gewaltsame Ideologie, mit der sich selbsternannte „Gotteskrieger“, Neonazis, Günter Grass und verirrte Linke die Welt erklären. Und sie äußert sich nicht erst dann, wenn Jüdinnen und Juden ausgegrenzt, beschimpft, angegriffen und getötet werden.

Für ein Ende des Leids der Israelis, Palästinenser_innen, Jüdinnen und Juden überall in der Welt!
Free Gaza from Hamas!
Gegen jeden Antisemitismus!

f*act, sub*way und OLAfA
Göttingen, August 2014

Dieser Aufruf wird unterstützt durch:

association [belle vie] Hannover
ak:raccoons Kassel
Bündnis gegen Antisemitismus Kassel
DGB Region Südniedersachsen-Harz
Fachschaftsrat Sozialwissenschaften Göttingen
[femko] Göttingen
Jüdische Kultusgemeinde Göttingen
Jüdisches Lehrhaus Göttingen
Jusos Göttingen
Lisa:2 Marburg
Redical [M] Göttingen
TASK Kassel

---

Wer diesen Aufruf unterzeichnen möchte, schreibt uns bitte an o_lafa[at]yahoo.com
Unseren PGP-Schlüssel findet Ihr unter http://olafa.blogsport.de/kontakt/

„Deutschland, Du Opfer“ – Psychoanalytisch-sozialpsychologische Perspektiven auf die Erfindung einer neuen deutschen Identität im aktuellen Vergangenheitsdiskurs

„Deutschland, Du Opfer“
Psychoanalytisch-sozialpsychologische Perspektiven auf die Erfindung
einer neuen deutschen Identität im aktuellen Vergangenheitsdiskurs

Vortrag und Diskussion mit Dr. Jan Lohl (Sigmund-Freud-Institut,
Frankfurt)

NEUER TERMIN:
Mittwoch, 19. März. 19.00 Uhr.
Holbornsches Haus, Rote Str. 34, Göttingen

Seit der deutschen Einheit gab es in der Bundesrepublik einen gesellschaftlichen Prozess, der als ›Normalisierung der deutschen Nation‹ beschrieben werden kann und in den Jahren 2006 bis 2010 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Egal ob WM, EM, ESC, egal ob Sieg oder Niederlage: Schwarz-Rot-Gold all überall und viel nationale Freude. Dieses ›nationale Coming-Out‹ lässt sich nicht jenseits des offiziellen Vergangenheitsdiskurses nach der deutschen Einheit verstehen. In diesem Diskurs werden nationale Selbstbilder gezeichnet, die Deutschland als eine Nation beschreiben, der eine vorbildliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gelungen sei. Als »Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung« habe das deutsche Volk den Nationalsozialismus aufgearbeitet, Täterschaft und Schuld anerkannt und sich so von Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus befreit. So entstehen nationale Selbstbilder, die als »unverkrampft« und »unverdächtig« gelten und daher von vielen Einzelnen emotional besetzt werden.

Der Vortrag setzt sich kritisch mit diesem Vergangenheitsdiskurs und der Konstitution nationaler Selbstbilder auseinander. Dies geschieht exemplarisch anhand des sogenannten neuen deutschen Opferdiskurses, in dem oftmals die nationalsozialistischen Opfer der Deutschen hinter die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges zurück treten.

Diskutiert werden soll insbesondere das Verhältnis von öffentlichem und privatem Umgang mit der deutschen Geschichte: Was bewirkt der Vergangenheitsdiskurs und die offizielle Anerkennung von Täterschaft und Schuld eigentlich in den vielen Einzelnen? An welche Konflikte, Emotionen und psychische Dynamiken einerseits und welche Familiengeschichten und Gefühlserbschaften andererseits dockt er an? Und woher kommt eigentlich die fast schon verzweifelte Sehnsucht, einem nationalen Kollektiv anzugehören und auf dieses stolz sein zu können?

Veranstaltet von der OLAfA (Offene Linke – Alles für Alle) im Rahmen
der Reihe „Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
- 27. Januar

Please note! Die Veranstaltung wird NICHT wie ursprünglich
angekündigt am 28.02. stattfinden.

„Wir müssen das erzählen!“ – Dokumentarfilm und Zeitzeugengespräch mit dem Shoah-Überlebenden Maurice Cling

„Wir müssen das erzählen!“ – Dokumentarfilm und Zeitzeugengespräch mit dem Shoah-Überlebenden Maurice Cling (Paris)

Mittwoch, 30. Januar 2013, 19 Uhr
Kino Lumière, Geismarlandstraße 19, Göttingen

Maurice Cling wurde im Sommer 1944 im Alter von 15 Jahren aus dem französischen Lager Drancy nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern und sein älterer Bruder wurden in dem nationalsozialistischen Vernichtungs­lager ermordet. Heute versucht der pen­sionierte Universitätsprofessor, die Erinner­ung an die Verbrechen durch Besuche in Schul­klassen oder die Begleitung von Schulfahrten nach Auschwitz wachzuhalten – auch wenn er dabei immer wieder betont, dass er als Überlebender nicht für die überwältigende Mehrheit der Ermordeten sprechen kann.
Seine Söhne, die Filmemacher Daniel und Pascal Cling, haben ihn und andere Auschwitz-Überlebende zu ihren Treffen und Vorträgen begleitet. „Wir müssen das erzählen!“ ist ein Film über das Erinnern – und über die Weitergabe der Erinnerung.

Pascal Cling wird bei der Veranstaltung ebenfalls anwesend sein.

Eine Veranstaltung der OLAfA (Offene Linke – Alles für Alle) im Rahmen des „Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – 27. Januar“

Die Traumatisierung der Nachkommen: Psychosoziale Spätfolgen der Shoah

Die Traumatisierung der Nachkommen: Psychosoziale Spätfolgen der Shoah – Vortrag und Diskussion mit dem Psychoanalytiker Kurt Grünberg (Frankfurt)

Freitag, 18. Januar 2013, 20 Uhr
Holbornsches Haus, Rote Straße 34, Göttingen

Fast 70 Jahre nach der Befreiung Europas von der nationalsozialistischen Terror­herrschaft wollen viele Deutsche den National­sozialismus zu den Akten legen. Durch das Sterben der letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen fühlen sie sich darin bestärkt, die Shoah zur fernen Ver­gangen­heit zu erklären. Doch für die Nachkommen der Menschen, die von den Nazis entrechtet, verfolgt und ermordet wurden, ist sie das nicht. Der Vortrag zeigt, wie in Familien von Shoah-Überlebenden in Deutschland das extreme Trauma der Opfer an die nach­folgen­den Generationen weitergegeben wird. Mit dem Konzept des szenischen Erinnerns wird Kurt Grünberg vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt die Auswirkungen der Shoah auf Überlebende und deren Nachkommen anhand einer Fallvorstellung deutlich machen.

Eine Veranstaltung der OLAfA (Offene Linke – Alles für Alle) im Rahmen des „Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – 27. Januar“

Deutsche Hypotheken gegenüber Griechenland. Die aktuelle Griechenland-Politik aus historischer Sicht.

Nach fünf schweren Krisenjahren befinden sich die griechische Wirtschaft wie Gesellschaft am Rand des Zusammenbruchs. Die Erwerbslosenquote ist auf 30 Prozent gestiegen – bei den Jugendlichen sogar auf 60 Prozent. Die Einkommen der ArbeiterInnenhaushalte haben sich halbiert. Über ein Drittel der Gesellschaft lebt in absoluter Armut.

Gleichzeitig finden in Deutschland hitzige Debatten über einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone statt. Immer wieder wird sich in der deutschen Medienwelt über die vermeintlich faulen und korrupten Griechen beschwert, die Europa und vor allem Deutschland auf der Tasche lägen. Deutschlands nationalsozialistische Vergangenheit und ihre historische Verbindung zu Griechenland werden im derzeitigen Krisendiskurs ausgeklammert. Griechische Entschädigungsforderungen werden als unverschämt wahrgenommen. Eine ernsthafte Debatte über deren Berechtigung hat in Deutschland keinen Platz.
Dabei war die deutsche Wehrmacht 1941 in Griechenland eingefallen und verließ Griechenland erst 1944, nicht ohne das Land ausgebrannt zu hinterlassen, systematisch die griechische Wirtschaft ruiniert zu haben, und für den Tod von 520.000 Menschen verantwortlich zu sein. Nennenswerte Reparationen hat es nie gegeben.

Karl-Heinz Roth spricht über die aktuelle Griechenland-Krise aus historischer Sicht und benennt deutsche Hypotheken.

Eine Veranstaltung der OLAfA mit freundlicher Unterstützung von ver.di Göttingen.
05. Dezember 2012, 20.00 Uhr, Theaterkeller (Geismar Landstr. 19, Göttingen)